Wie bleibt Gesundheitsversorgung in einer alternden Gesellschaft bezahlbar und wirksam? Die TK Sachsen-Anhalt setzt auf digitale Innovationen, regionale Prävention und smarte Startup-Kooperationen. Im Interview erklärt Leiterin Steffi Suchant, welche Herausforderungen sie im Land sieht – und warum der Investforum Pitch-Day ein wichtiger Kompass für die Versorgung von morgen ist.
Regionale Herausforderungen: Die gesundheitliche Lage in Sachsen-Anhalt
Laut eigenen Angaben ist ein Ziel der TK Sachsen-Anhalt bedarfsgerechte Versorgung im Land zu gestalten. Welche besonderen gesundheitlichen Bedarfe beobachten Sie in Sachsen-Anhalt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt?
Sachsen-Anhalts Bevölkerung weist im Vergleich zu allen anderen Bundesländern den höchsten Altersdurchschnitt vor. Damit einhergehend sind unter anderem überdurchschnittlich viele medikamentöse Herz-Kreislauf-Behandlungen und Diabetes-Erkrankungen. Neben der erblichen Veranlagung spielen da häufig auch Bewegungsmangel und ein ungesunder Lebensstil eine Rolle. Hier wird deutlich, wie wichtig zielgerichtete, regionalspezifische Prävention- und Behandlungsangebote sind.
Was sich ebenfalls zeigt: Erwerbspersonen in Sachsen-Anhalt fehlen krankheitsbedingt deutlich häufiger am Arbeitsplatz als im bundesweiten Durchschnitt. Neben Krankheiten des Atmungssystems zählen insbesondere Rückenprobleme und immer mehr psychische Störungen eine Rolle.
Für uns steht fest: Wir brauchen kluge Ideen, um die Gesundheitsversorgung unserer Versicherten auch weiterhin innovativ, wirtschaftlich und qualitativ hochwertig zu gestalten.
Wir sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung und auch KI-Anwendungen enorme Chancen im Gesundheitswesen bieten. Von der Stärkung der personalisierten Medizin bis hin zu digitalen Behandlungspfaden wird sich die Versorgung in den nächsten Jahren sehr wandeln.
– Steffi Suchant, Leiterin TK-Sachsen-Anhalt
Innovative Versorgung: So gestaltet die TK die Zukunft mit
Welche Rolle spielen innovative Versorgungsansätze für die TK, und wie bringen Sie sich als Krankenkasse aktiv in die Entwicklung solcher Neuerungen ein?
Wir sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung und auch KI-Anwendungen enorme Chancen im Gesundheitswesen bieten. Von der Stärkung der personalisierten Medizin bis hin zu digitalen Behandlungspfaden wird sich die Versorgung in den nächsten Jahren sehr wandeln. Für uns ist es selbstverständlich, innovative Gesundheitslösungen voranzutreiben.
Wir beteiligen uns an zahlreichen Projekten, die neue medizinische Versorgungsformen erforschen und entwickeln. Über den Innovationsfonds unterstützen wir beispielsweise neue Modelle der Versorgung, die innovativ, sektorenübergreifend und patientennah sind. Ein gutes Beispiel ist ALVEEG – ein ambulantes Langzeit-Video-EEG-EKG für Menschen mit Anfallserkrankungen. Das Projekt ermöglicht Menschen, die von Epilepsie und vergleichbaren Erkrankungen betroffen sind, zeitnah und zu Hause für mehrere Tage Video-, EEG- und EKG-Daten von sich aufzuzeichnen. So lässt sich medizinisches Fachpersonal entlasten, während die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten gestärkt wird.
Es ist uns aber auch ein Anliegen, dass neben den innovativen Leuchttürmen der Praxisalltag durch digitale Angebote entlastet wird. Aus diesem Grund unterstützen wird zum Beispiel im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung seit Jahren den Aufbau und die Erweiterung digitaler Strukturen.
Startups im Fokus: Der TK-Gesundheitspreis beim Investforum Pitch-Day
Seit 2024 vergibt die TK beim Investforum Pitch-Day einen Sonderpreis. Was hat Sie zu diesem Engagement bewegt?
Als Deutschlands innovativste Krankenkasse sind wir immer auf der Suche nach cleveren Ideen für das Gesundheitswesen der Zukunft. Mit unserem Sonderpreis Gesundheit beim Investforum Pitch-Day möchten wir Gründerinnen und Gründer aus Sachsen-Anhalt unterstützen, die mit innovativen Ideen, digitalen Produkten und smarten Angeboten die Gesundheitsversorgung verbessern. Über unser TK-InnovationsPortal stehen wir Unternehmen und Startups ohnehin als Wegweiser im Gesundheitsmarkt zur Seite. Der Gesundheitspreis ist für uns eine weitere spannende Möglichkeit, Engagement zu würdigen und Anreize für innovative Versorgungsideen zu schaffen.
Die Entscheidung über den TK-Sonderpreis liegt bei Ihnen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Gewinnerin oder den Gewinner aus – und was macht einen Pitch für Sie besonders preiswürdig?
Überzeugend ist ein Pitch dann, wenn der Mehrwert für die Gesundheit der Versichertengemeinschaft deutlich wird – und das mit neuen, smarten Ansätzen für patientenorientierte, effiziente Prozesse. Besonders spannend sind dabei Ideen und Innovationen in Bereichen der Früherkennung, Fernbehandlung, Präzisionsmedizin, Patient Empowerment und Patientensicherheit. Natürlich spielt auch die Skalierbarkeit für eine größere, bestenfalls bundesweite Umsetzung am konkreten Bedarf, eine Rolle. Ein weiterer Faktor ist auch das Team, das dahintersteht: Welche Erfahrungen bringen die Gründerinnen und Gründer in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheit und Medizintechnik mit? Wie gut sind sie mit der aktuellen Versorgungsrealität vertraut und wie kann man das System gemeinsam besser machen? Wer hier überzeugt, hat gute Chancen.
Was erwarten oder erhoffen Sie sich persönlich vom kommenden Investforum Pitch-Day – und worauf freuen Sie sich besonders?
Besonders freuen wir uns auf den direkten Austausch vor Ort. Der Pitch-Day vereint viele kreative Köpfe, die mit Begeisterung ihre Startup-Idee präsentieren. Für uns als Krankenkasse ist das die perfekte Gelegenheit zu verstehen, wo für die Startups genau die Herausforderungen liegen und wie wir bestmöglich unterstützen können. Darüber hinaus ist es für uns auch wichtig aufzuzeigen, was es braucht, um mit Innovationen den erfolgreichen Sprung in den Gesundheitsmarkt zu schaffen. Schon im vergangenen Jahr haben die Gründerinnen und Gründer gezeigt, wie viel Innovationspotenzial in Sachsen-Anhalt steckt.