Die IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH ist ein zentraler Akteur in der Förderung von Startups in Sachsen-Anhalt. Mit über 12 Millionen Euro Investitionen im Jahr 2023 unterstützt die IBG innovative Unternehmen dabei, ihre Visionen zu verwirklichen und neue Standards in Bereichen wie DeepTech, Nachhaltigkeit und Gesundheitswesen zu setzen. Wie schafft es die IBG, Startups optimal zu fördern, und welche Zukunftsperspektiven sieht sie für den Standort Sachsen-Anhalt? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Andrea Helzel, Geschäftsführerin der IBG, im Interview.
In Ihren Worten: Welche Aufgaben erfüllt die IBG? Wie viele Investments hat die IBG 2023 getätigt und mit welchem Kapitalvolumen?
Die IBG stellt über ihre Tochtergesellschaften Risikokapital (Venture Capital) für kleine und mittlere Unternehmen in Sachsen-Anhalt bereits ab der Seed-Phase der Unternehmensentwicklung zur Verfügung. Im Jahr 2023 sind 12.162 TEUR in Beteiligungen geflossen; es wurden insgesamt 9 Investments im Risikokapitalfonds III getätigt.
Welche Rolle spielt der Standort Sachsen-Anhalt im deutschen Startup-Ökosystem und wie wird sich der Standort in den nächsten Jahren Ihrer Einschätzung nach entwickeln?
Das Potential des Landes als Standort ist ausbaufähig. Die guten Finanzierungsbedingungen für Startup-Unternehmen müssen noch stärker nach außen kommuniziert werden. Die IBG beteiligt sich mit Investments ab 500 TEUR (Gladiator-Programm) bis in Summe von 10 Mio. EUR. Derzeit erwägen wir eine Erhöhung der max. Beteiligung auf 15 Mio. EUR, um weiterhin Unternehmen für Sachsen-Anhalt zu gewinnen und sie bei der Entwicklung ihrer Geschäftsideen zu unterstützen. So zum Beispiel unser Beteiligungsunternehmen Solar Materials, die mit ihrem innovativen Recyclingverfahren von Photovoltaik-Modulen das weltweit erste Unternehmen ist, das sämtliche Rohstoffe rückgewinnt und damit einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Ressourceneffizienz leistet. Oder auch die Raydiax GmbH, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung ihres
TACT-Systems (ein innovativer CT-Scanner) liegt, welcher auf interventionelle Eingriffe optimiert ist, um minimalintensive Eingriffe bei der Tumorbekämpfung schonend und effizient durchführen zu können. Sowohl Solar Materials als auch Raydiax waren für den Wirtschaftspreis 2024 des Landes Sachsen-Anhalt nominiert; Gewinner des Preises war die Raydiax GmbH.
Mit weiteren Partnern in Sachsen-Anhalt konnten wir die Bedingungen schaffen, damit ein erfolgreicher Unternehmensaufbau bei der Saperatec GmbH umgesetzt werden kann. Die Saperatec GmbH entwickelte ein umweltfreundliches Verfahren zur Trennung von Verbundmaterialien mittels chemischer Mikroemulsionslösungen auf Tensidbasis. So können Mehrschichtverbundmaterialien, die bisher durch Verbrennung entsorgt wurden, wieder zerlegt und die so gewonnenen Rohstoffe für verschiedenste Anwendungen in die Wertschöpfungskette
zurückgeführt werden.
Auf welche Branchen legt das Land Sachsen-Anhalt den Fokus in der Finanzierung und Förderung? Welche Rolle spielen „neue“ Branchen wie DeepTech?
Der Fokus der IBG liegt auf die Beteiligung an Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen, die sich in die Regionale Investitionsstrategie des Landes einordnen lassen. Das schließt auch neue Branchen wie DeepTech Unternehmen ein.
In Deutschland gibt es noch Verbesserungsbedarf beim Aufbau funktionierender (internationaler) Netzwerke. Was kann – sowohl von staatlicher als auch von unternehmerischer Seite – getan werden, um produktive Netzwerke zwischen deutschen Startups zu fördern?
Um den Aufbau funktionierender (internationaler) Netzwerke zwischen deutschen Startups zu fördern, können sowohl staatliche als auch unternehmerische Akteure verschiedene Maßnahmen ergreifen. Beispielsweise könnten staatliche Maßnahmen, wie Förderprogramme und Zuschüsse direkt für Netzwerke bereitgestellt werden. Internationale Startup-Messen und -Events könnten gefördert werden. Die Bürokratie in Deutschland ist für internationale Kooperationen häufig ein Hemmnis. Der Staat könnte bei der Einstellung von Mitarbeitern aus dem Ausland oder auch bei rechtlichen Rahmenbedingungen für internationale Geschäftspartnerschaften prüfen, wie
weitere Erleichterungen möglich sind.
Unternehmerische Maßnahmen wie die Gründung von Startup-Hubs und Coworking-Spaces sollten weiter ausgebaut und profiliert werden, um als Knotenpunkte für den Austausch von Wissen, Ideen und Partnerschaften zu dienen. Durch eine Kombination aus gezielten staatlichen Förderungen, einer engeren Zusammenarbeit von Unternehmen und der Schaffung konkreter Plattformen und Netzwerkstrukturen könnte Deutschland als Startup-Standort weltweit noch erfolgreicher vernetzt werden. Solche Maßnahmen würden nicht nur den Austausch innerhalb Deutschlands fördern, sondern auch eine nachhaltige Präsenz auf internationalen Märkten schaffen.
Welche Rolle spielen Veranstaltungen wie der Investforum Pitch-Day in der Startup-Landschaft Sachsen-Anhalts?
Startup haben auf dem Investforum Pitch-Day die Möglichkeit Investoren für ihre Geschäftsideen zu begeistern. Hier haben sie die Chance, sich die Finanzierung zu sichern, die ihr Unternehmen auf die nächste Stufe zu heben. Es geht nicht nur ums Geld; die Unternehmen zeigen ihre Vision, und das mögliche Potenzial dieser Idee. Es geht um die Präsentation einer Lösung für ein komplexes Problem und die Umsetzung in ein tragfähiges Geschäftsmodell. Sie müssen ihre Leidenschaft vermitteln und Investoren davon überzeugen, dass sie das richtige Team für die Umsetzung des Plans sind, die die Herausforderungen des zukünftigen Unternehmensentwicklung meistern können.
Welche weiteren Schritte sind wohl noch sinnvoll, um Sachsen-Anhalt zu einem attraktiven Standort für Startups zu etablieren? Ein herzliches Dankeschön an Frau Dr. Helzel für die spannenden Einblicke und aufschlussreichen Meinungen!